𝗠𝗮𝗱 (𝗪𝗼)𝗠𝗲𝗻 𝗠𝗶𝘁𝘁𝘄𝗼𝗰𝗵 🥃: Als die Kreativdirektorin Recht behielt
Eine Geschichte, wie ich mich geirrt habe. Eine Geschichte, wie ich das heute sehe. (Wer errät, wie alt das Foto ist, bekommt einen Kaffee ausgegeben).
Christof Mahnel
7/8/20262 min read


𝗠𝗮𝗱 (𝗪𝗼)𝗠𝗲𝗻 𝗠𝗶𝘁𝘁𝘄𝗼𝗰𝗵 🥃
Als die Kreativdirektorin Recht behielt (ich hasse es, das zuzugeben).
Fassungslosigkeit. So beginnt die Geschichte aus meinem Nähkästchen.
Fassungslosigkeit darüber, wie einfallslos unser Social Media Content war, den wir damals für unsere Kund:innen produzierten. Fassungslosigkeit, nicht bei mir!
Ich fand den Content super, denn er hat vor allem eins gemacht: Gut performt! Nein, die Kreativdirektorin konnte nicht verstehen, was wir da taten. So wollten wir die Big Brands vertreten? Dabei war die Antwort für uns klar: Worship the Algorithm God!
Auf der Jagd nach einem viralen Hit hat unsere „Mensch für Maschine Redaktion“ seinen gesamten Sprachapparat darauf ausgelegt, Texte, Bilder und Videos beim richtigen Algorithmus zu platzieren.
Je mundgerechter wir der Maschine unseren Content servierten, desto besser schmeckte er und desto besser wurde er ausgespielt. Menschen sollten natürlich noch interagieren, aber zuerst mussten wir die Zustimmung unseres „Gottes“ gewinnen. Kein Wunder, dass da der gewisse Spark, das Unerwartete, das je-ne-sais-quoi in unserer Kommunikation auf der Strecke blieb.
Heute sind wir alle noch einen Schritt weiter: Jetzt schreiben Maschinen auf Knopfdruck Millionen von Postings für Maschinen – Menschen sollen aber immer noch interagieren. Wo bleibt da der Spark, den die CD so händeringend gesucht hat? Am Ende muss ich ihr rechtgeben. Der Content war - der Content ist nicht für Menschen gedacht und das Menschliche bleibt auf der Strecke.
Erst haben wir uns abtrainiert, wie Menschen zu reden. Und jetzt sollen wir wie Maschinen interagieren. Das müssen wir uns bewusst machen, um uns unsere Menschlichkeit zurückzuholen! Bevor wir nur einen Stift in die Hand nehmen oder die Finger aufs Keyboard schmettern, müssen wir die Frage stellen: Wer soll für wen schreiben? Mensch – Mensch Mensch – Maschine Maschine – Mensch Maschine – Maschine Man könnte es das M⁴-Schema nennen. Gefällt mir wegen der vielen Ms auch persönlich gut. Wenn du das beantwortest, kannst du die richtigen Schwerpunkte legen und entscheiden, welchen Text du selbst übernimmst. Hochzeitrede, Pitch, Liebesbrief, alles Top-Kandidaten für deine Stimme. Quelltext-Anpassung, GEO Text Iteration, lass das die Agenten übernehmen. Wenn du es umgekehrt machst, arbeitest du dich zu Tode und der Pitch geht daneben. Und Social Media? Der AI-Slop auf den Plattformen zeigt, dass sich die meisten schon entschieden haben...
Zusammenfassend: Vor Jahren hat mir die Kreativdirektorin etwas gesagt, was ich definitiv nicht hören wollte, aber offensichtlich hören musste. Es lohnt also bei den Mad Women nachzufragen, was sie von eurem Content halten. Vor allem dann, wenn sie euch etwas sagen, das ihr nicht hören wollt. Ob man den Mad Men auch zuhören sollte, finden wir in der nächsten Episode heraus…
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